Abfangjagdflugzeug Bachem Ba 349 "Natter"


Bis zum dem Frühling 1944, war dem deutschen RLM klar geworden, das die ständig verstärkte Offensive der Allierten gegen die Industrie des dritten Reich, mit orthodoxen Mitteln alleine nicht mehr bekämpft werden konnte. Die Situation wurde so ernst, dass völlig neue und aussergewöhnliche Massnahmen nötig wurden. Es gab keinen Mangel an in hohem Grade scharfsinnigen Entwürfen für das Abfangen und das Zerstören  der angreifenden Bomberverbände. Sehr vielvesprechend war der Entwurf von Ing. Erich Bachem, der ein teil- wiederverwendbares Gerät vorschlug, das schnell und billig herzustellen war. Er entwickelte ein vertikal startendes raketenangetriebenes Flugzeug zur Verteidigung wichtiger Bodeninstallationen.
Die Bachem BP 20 bestand aus einem kurzen zylindrischen Rumpf mit sehr kleinen Flügeln, angetrieben von einem Walter- Raketenmotor und vier Startzusatzraketen und bewaffnet mit 24 im Bug angeordneten Luft-Luft-Raketen. So seltsam das Gerät aussah, so ausgefallen war auch die Einsatzweise: Die senkrecht von einer Rampe zu startende Natter sollte rasch über die Bomberverbände steigen, von oben zum Angriff übergehen und abdrehen. Dann war vorgesehen, die Zelle in zwei Teile zu zerlegen, von denen nur der hintere mit dem Piloten und dem kostbaren Raketenmotor an Fallschirmen gerettet werden sollte.
 


Heinrich Himmler zeigte sofort Interesse am Projekt Natter und versprach seine volle persönliche Unterstützung. Innerhalb 24 Stunden war Bachem informiert worden, dass das RLM seine frühere Ablehnung nachgeprüft und jetzt dem Projekt Natter die höchste Entwicklungspriorität bewilligte.

Ihren ersten Flug absolvierte die Ba 349 bezeichnete Natter im Oktober 1944 an einer Heinkel He 111. Im Dezember des gleichen Jahres fand der erste Vertikalstart ohne Piloten statt, wobei zunächst nur der Walter-Raketenmotor und erst ab 23. Februar 1945 auch die Startraketen gezündet wurden. Kurz darauf endete der erste bemannte Flug mit dem Tod des Versuchspiloten Lothar Siebert. Vor Kriegsende wurden noch knapp 20 Einheiten produziert, die jedoch nicht mehr zum Einsatz gelangten.
 

Die wichtigsten Versionen:

Ba 349A (Serienausführung, 20 Einheiten);
Ba 349B (mit einem Walter 109-509C und vergrössertem Leitwerk).

Die wichtigsten Abnehmerländer: Deutschland.

TECHNISCHE DATEN:

Typ:Ba 349B-1
Art:Abfangjäger
Triebwerk: ein Raketentriebwerk Walter HWK 109-509A-2 mit 16,67 kN plus vier Startzusatzraketen Schmidding SG-34 mit insgesamt 11,77 kN
Leistungen:
Höchstgeschwindigkeit 1 000 km/h;
Dienstgipfelhöhe 14 000 m;
Einsatzradius 40km in 2 000 m Höhe
Masse: höchstzulässige Abflugmasse 2 270 kg
Abmessungen:
Flügelspannweite 4,0 m;
Länge 6,02 m;
Höhe 2,22 m;
Flügelfläche 2,75 m2
Bewaffnung: 24 ungelenkte 73-mm-Luft-Luft-Raketen Föhn, angeblich auch zwei 30- mm-Maschinenkanonen
Besatzung:1

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Dank ihrer Einsatzweise mit Senkrechtstart und Fallschirmbergung war die Natter nicht auf verwundbare Pisten angewiesen.