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Fieseler Fi 103 ( V-1 ) Funktionsweise.
Eine der bekanntesten Wunderwaffen war zweifellos die V-l. Ihre ursprüngliche Geschichte reicht bis in
die zwanziger und dreißiger Jahre zurück, als der Münchner Diplomingenieur Paul Schmidt das ursprünglich in Frankreich erfundene StauÂstrahltriebwerk weiterentwickelte. Aufgrund der erheblichen Verluste, die
die deutsche Luftwaffe während der Schlacht um England erlitt, sah man sich veranlaßt, nach weniger konÂventionellen Angriffswaffen zu suchen. Diese sollten einerÂseits nach Möglichkeit unbemannt sein,
andererseits wurde als Zielstellung eine schwere Neutralisierung durch gegneriÂsche Kampfverbände vorgegeben.
Die Piloten boten eine Lösung an, bestehend aus einem kleinen, gelenkten Flugzeug. Dieses war billig in der Fertigung, schnell und in der Lage, eine relativ große Menge Sprengstoff nach London zu
transportieren: das Projekt „Fernfeuer".
Das Heer hingegen plädierte für die Entwicklung und Serienfertigung der monströsen und teueren A-4-Rakete, die trotz des enormen Herstellungsaufwandes (sie bestand aus mehreren tausend Einzelteilen)
Vorteile bot, die vor allem in der schwierigen Radarerfassung und Abfangbarkeit lagen. Schließlich entschied Hitler persönlich im Juni 1942 über die Angelegenheit und erklärte beide Vorhaben als Projekte mit
höchster Priorität. Die V-1 wurde aus einem neueren Typ des von Paul Schmidt geschaffenen Pulso-Schubrohr entwickelt. Die Vorrichtung bestand aus einer rohrförmigen Brennkammer, welcher von vorne durch eine
Verengung verdichtete Luft zugeführt wurde, die sich dann in der Brennkammer mit Brennstoff, der aus einem Ring mit Kraftstoffzerstäubern zugeführt wurde, vermischte. Diese Mischung wurde durch eine Zündkerze
zur Explosion gebracht, die Gase entwichen nach hinten aus dem Rohr und erzeugten nicht nur den notwendigen Schub, sondern saugten durch das entstandene Vakuum wieder frische Luft von vorne in das Rohr. Damit
wiederholte sich der Zyklus, allerdings nicht mit konstanter Verbrennung, sondern in intermettierenden Schüben, pulsierend also, was der Vorrichtung den Namen „Pulso-Jet" gab. Das „Schmidt-Rohr"
entwickelte einen Schub von 317 kp und wurde mit Benzin betrieben.
Das Triebwerk wurde bei der Firma Argus Motorenwerke unÂter der offiziellen Bezeichnung Walter-109 oder Argus-Rohr As 014 Pulso-Schubrohr in Serie gefertigt. Man profitierte dabei von den wenigen
beweglichen Teilen, der Einfachheit der Bauweise und der Wartung.
Die Zellen für die V-1 konstruierten die beiden Fieseler-Ingenieure Robert Lusser und Willy Fiedler. Die Testzeit umfaßte 18 Monate, während der in Peenemünde-West 350 Prototypen gestartet wurden.
Das erste Modell war am 30. August 1942 fertig und wurde am 10. Dezember 1942 von einer Trägermaschine Fw 200 Condor - noch antriebslos - gestartet.
Zwei Wochen später erfolgte dann der erste Start der Fi
103 V 12 mit Antrieb von einem experimentellen Dampfkatapult aus. Die Gesamtentwicklung dauerte lange und war wegen der vielen neuen und unvorhergesehenen Probleme äußerst schwierig. Die Startgeschwindigkeit war
beispielsweise viel höher als ursprünglich angenommen, was beinahe die Grenzen der vorhandenen technischen Möglichkeiten überschritt. Beim Fliegen der Prototypen mußte man feststellen, daß der entstehende
Luftwiderstand erheblich größer war als vorgesehen, was wahrscheinlich mit der einfachen Bauweise zusammenhing. Dies reduzierte die projektierte Geschwindigkeit von 900 km/h auf tatsächliche 650 bis 700 km/h,
was die V-1 für alliierte Abfangjäger, die sich in einem ähnlichen Geschwindigkeitsbereich bewegten, empfindlich machte.
Auch das eingebaute Steuerungssystem funktionierte nicht fehlerfrei. Es zeigte sich,
daß die Vibrationen des Motors während des Fluges die magnetische Polarität der Zelle änderten, was wiederum die Funktion des sehr empfindlichen, am Bug eingebauten Magnetkompasses negativ beeinflußte.
Bevor schließlich die endgültige serienreife Version erreicht war, mußte der Prototyp immerhin 150 mal modifiziert werden. Insgesamt wurden 32.000 Einheiten hergestellt. Die Produktion war auf 50 verschiedene
Firmen verteilt worden, die Montagewerke befanden sich in Nordhausen und Peenemünde (Fieseier), sowie in Fallersleben (Volkswagen). Der Start erfolgte von einer Betonrampe von 42 m Länge, welche genau auf das
Zielgebiet gerichtet war. Auf der Rampe befanden sich zwei Führungsschienen, dazwischen eine geschlitzte Röhre mit einem frei in ihr laufenden Kolben mit Starthaken, an dem die V-1 befestigt wurde. Am hinteren
Ende dieser Röhre befand sich ein mobiler Dampfgenerator mit zwei Tanks T-Stoff und Z-Stoff (Wasserstoffhyperoxid und Kaliumpermanganat), drei Preßluftflaschen und einer Dampfentwicklerkammer für diese Mischung.
Zum Starten wurde eine Flasche dazu benutzt, den Hochdruck-Dampf ins Rohr zu pressen und dadurch den Kolben und den Flugkörper in Bewegung zu setzen. Wenn letzterer ungefähr den halben Weg
zurückgelegt hatte, was nach 0,4 Sekunden der Fall war, traten die beiden anderen Preßluftflaschen automatisch in Aktion, um den Druckverlust in der Röhre auszugleichen. Der Kolben wurde zusammen mit dem
Flugkörper katapultiert und später geborgen. Die normale Abschußgeschwindigkeit betrug 110 m/s, die Beschleunigung erreichte einen Wert von 16 bis 17 g, eine Größenordnung, die einen bemannten Einsatz dieser
Waffe unmöglich machte (trotzdem wurden gegen Kriegsende einige bemannte Systeme gebaut). Nach Erreichen der erforderlichen Geschwindigkeit begann das Pulso-Schubrohr zu arbeiten und brachte den Körper in die
Marschflughöhe, die bei einer Reichweite von 300 bis 400 km zwischen 300 und 2500 m lag. Die Einhaltung des Kurses übernahm der Magnetkompaß und der Autopilot. Kursabweichungen wurden durch kurze Ruderausschläge
korrigiert, die ein pneumatischer Impulsgenerator erzeugte und über Servoeinheiten an die Ruder weitergab. Das Rudersystem bestand aus zwei kugelförmigen, von einem Stahlnetz umhüllten Gummibehältern.
Die Entfernung, die der Flugkörper zurücklegte, wurde mittels der Anzahl der Umdrehungen eines kleinen Propellers gemessen, der an der Bugspitze angebracht war. Nach Erreichen der eingestellten Anzahl
Umdrehungen wurde der Sturzvorgang eingeleitet. Das Höhenruder war deshalb mit Spoilern versehen, um den Ruderausschlag zu verstärken. Die Treibstoffzufuhr wurde nicht automatisch unterbrochen, sondern der
Pulso-Motor schaltete ab, wenn der Sturzwinkel von 60 Grad erreicht war.
Die Zündung der Sprengladung erfolgte beim Aufschlag durch zwei herkömmliche Zünder.
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