Dornier Do-335


Die Dornier Do 335 war eines der revolutionärsten Kolbenflugzeuge des zweiten Weltkrieges. Die ungewöhnliche Anordnung des zweiten Motors im Flugzeugheck reduzierte den Lufwiderstand im Vergleich zu konventionellen zweimotorigen Mustern ganz erheblich und verhalf der Maschine zu Höchstleistungen. Der Erstflug fand am 26. Oktober 1943 in Mengen statt. Nur wenige Maschinen wurden gebaut.
Die Do 335 wurde als Jagdbomber, Zerstörer, Tag- und Nachtjäger und als Aufklärer konzipiert.
Die lange Nase und die "hochbeinige" Konstruktion brachten diesem Flugzeug
die Beinamen "Pfeil" und "Ameisenbär" ein.
 


Die letzte erhaltene Maschine, eine Do 335 A-0 mit der Werknummer 240102, war eine Vorserienmaschine und befindet sich heute im Depot des National Air and Space Museums in Washington DC.
 


Als eines der letzten Propeller-Hochleistungsflugzeuge hat Dornier im Jahr 1943 den schweren Jäger Do 335 entwickelt. Bei diesem ungewöhnlichen Entwurf wurde mit dem Zug- und Druckpropeller ein Antriebsprinzip gewählt, das sich schon in vielen Dornier-Flugbooten bewährt hatte. Bei der zweimotorigen Do 335 konnte mit diesem Konzept erreicht werden, dass der Widerstand kaum größer war als bei einem einmotorigen Flugzeug. Damit waren außerordentlich hohe Leistungen möglich.
 


Der vordere Propeller wurde von einem Motor im Bug angetrieben, der zweite Motor war im Mittelrumpf eingebaut und trieb über eine drei Meter lange Fernwelle des Heckpropellers hinter dem Leitwerk an. Da beide Motoren in der Längsachse saßen, entstand beim Einmotorenflug kein unsymmetrischer Schub. Im Notfall konnte der Heckpropeller abgesprengt werden, um die Gefährdung des Piloten beim Aussteigen zu vermindern.
Der Prototyp der Do 335 startete am 26. Oktober 1943 zu seinem Erstflug, und schon die ersten Erprobungsergebnisse zeigten, dass dieses Flugzeug alle Erwartungen erfüllte. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 730 km/h war die Do 335 eines der schnellsten Propellerflugzeuge der Welt.
 


Mit verschiedenen Versionen konnte die Vielseitigkeit dieses Mehrzweckflugzeugs demonstriert werden. Sie wurde nicht nur als schwerer Jäger gebaut, sondern auch als Jagdbomber, Aufklärer und Nachtjäger. Nur noch wenige dieser Hochleistungs-Kampfflugzeuge wurden bis Kriegsende fertiggestellt, denn inzwischen boten die Strahlflugzeuge ganz neue Möglichkeiten, in noch höhere Leistungsbereiche vorzustoßen.
Mit der Do 335 hatte die Propeller-Ära während des Zweiten Weltkriegs ihren Höhepunkt erreicht.
 

TECHNISCHE DATEN:

Dornier Do-335

Länge: 13,85 m
Spannweite: 13,80 m 
Höhe: 5,00 m
Flügelfläche: 38,50 m2
 
Motor: DB 603 A 
Motorleistung: 1750 PS
Anzahl Motoren: 2 
Geschwindigkeit: 735 km/h 
Reichweite: 2150 km 
Gipfelhöhe: 11500 m 
Einsatzzweck: Jäger 
Besatzung: 1 Mann 
Spitzname: Ameisenbär, Pfeil
Bewaffnung: 2 MG 151/20
1 Mk 103
Leergewicht: 7400 kg
Landegewicht: 8450 kg 
Fluggewicht: 9600 kg
Exemplare: 10-20


Ab dem fünften Prototyp wurde die vorgesehene Bewaffnung von zwei 15 mm MG 151 in der Vorderrumpfverkleidung und einer 30 mm MK 103, die durch die Propellernabe schoß, eingebaut.
Den Abschluß der Prototypenreihe für den Jäger bildete die Do 335 V-9, die später auf den Serienstandard umgebaut wurde. 1944 wurden 10 Do 335 A-0 Vorserienflugzeuge gefertigt und mit ihnen konnte dann die Einsatzbewertung erfolgen. Im September 1944 gründete das RLM das Erprobungskommando 335, das die Do 335 in Hinsicht auf ihre taktischen Möglichkeiten testen sollte.
Kurze Zeit später wurde dann die erste Serienmaschine gefertigt.
Diese Do 335 A-1 besaß zwei DB 603 E-1 Motoren mit Wasser-Methanol-Einspritzung und je 1.800 PS und es wurden zwei Unterflügelstationen für Treibstofftanks oder zwei zusätzliche 250 kg Bomben angebaut. Zudem wurde eine einzige Do 335 A-0 zum Aufklärer umgebaut.
Diese Maschine erhielt zwei Rb50/18 Kameras, die sich im Waffenschacht befanden und eine erhöhte externe Treibstoffzuladung war möglich.
Die Nachtjägerversion Do 335 A-6 entwickelte sich aus dem Do 335 V-10 Prototypen und erhielt ein FuG 217J Neptun Radargerät, welches aus einem zweiten Cockpit hinter dem Piloten bedient werden mußte. Durch das zweite Cockpit und das durch Radarantennen, Flammendämpfer und andere Modifikationen verursachte Mehrgewicht wurde die Leistung um etwa 10 Prozent vermindert. Zudem musste bei der zweisitzigen Do 335 auch die ganze Treibstoffanlage neu konzipiert werden.
Der Waffenschacht entfiel und stattdessen wurde ein zusätzlicher Rumpftank eingebaut.
Die letzten Exemplare der A-Serie waren die A-10 und die A-12, welche beide aus dem V-11 Prototypen hervorgingen. Beide Versionen besaßen ein zweites Cockpit und wurden für Trainings- und Umschulungsaufgaben verwendet.
 

Im Notfall konnte der Heckpropeller abgesprengt werden, um die Gefährdung des Piloten beim Aussteigen zu vermindern.

Das Cockpit der Do 335 A-1
 

 Eine Do 335 A-6 im Winter - Tarnanstrich.